Die Evolution von Ideen

“Die Evolution von Ideen – warum gute Ideen nicht automatisch überleben” – Impulsvortrag beim Business Forum der German Speakers Association in Frankfurt – ausgezeichnet mit dem Newcomer Award 2014

Damit aus Ideen Innovationen werden, braucht es Mut, die richtigen Allianzen und gutes Timing. Im falschen Klima bleiben viele Ideen auf der Strecke, leider auch viele gute. Zwar hat sich unser Gehirn entwickelt, um unser Überleben zu sichern – insbesondere unser soziales Überleben, aber wir haben auch gelernt, dass unser Erfolg von der Unterstützung durch andere abhängt und wir dabei kein Risiko eingehen sollten. Neues zu denken und auszuprobieren bedeutet einen unsicheren Weg zu gehen und Fehler zu riskieren. Dieses Risiko gehen wir nicht gerne ein, sollten wir aber manchmal.



Kreativer durch simulierte Gespräche

Für mich eine der beeindruckensten menschlichen Fähigkeiten ist die Gabe, sich selbst zu überraschen. Und ich meine nicht die Art von Überraschung, bei der wir in der Winterjacke von letzter Saison unerwartet einen 20 Euro Schein wiederfinden. Ich rede hier nicht von Überraschung, die aus unserem Gedächtnis und seinen Unzulänglichkeiten kommt.

Wirklich beeindruckend finde ich die Möglichkeit unser Gehirn für das Generieren von Ideen und Lösungen zu nutzen, die wir nicht vorhersehen konnten. Wie das funktioniert und warum, offenbart eine großartige Übung, die sich leicht ausprobieren lässt:

Stellen Sie sich 5 Personen vor, die alle um einen runden Tisch sitzen, an dem auch Sie Platz nehmen.

  • Ihnen gegenüber sitzt eine Person aus Ihrem engen Bekanntenkreis. Stellen Sie sich einfach jemanden vor.
  • Eine zweite Person am Tisch sollte aus Ihrer Familie sein. Stellen Sie sich Ihre Mutter, Ihren Vater, Geschwister, eine Tante oder Tochter vor. Wählen Sie einfach eine Person aus.
  • Die dritte Person sollte eine Berühmtheit sein, also irgendjemand, den möglichst viele Leute kennen.
  • Als Nummer vier stellen Sie sich jemanden vor, den Sie sehr bewundern. Egal, ob lebend oder bereits verstorben und vollkommen egal, für was Sie diese Person bewundern. Haben Sie jemanden? Wählen Sie aus.
  • Der letzte Platz am Tisch ist für jemanden reserviert, den Sie nicht besonders mögen, der Sie nervt oder den Sie nicht leiden können. Haben Sie Ihren Tisch zusammen? Stellen Sie sich die Personen genau vor, wie sie alle um den Tisch sitzen und Sie ansehen. Haben Sie? Dann los.

Angenommen Ihre Aufgabe ist es Ideen für einen Vortrag zu sammeln, den Sie bald halten sollen. Die Menschen am Tisch sind jetzt Ihre Hall of Fame, eine Gruppe von Beratern und Kommentatoren aus Ihrer Vorstellung, deren Aufgabe es ist im Gespräch mit Ihnen auf gute Ideen zu kommen. Stellen Sie sich genau vor, was jede einzelne Person zu Ihnen sagen würde. Eine Person nach der Anderen erklärt ihre Meinung und liefert Input. Manchmal blödsinnig, manchmal unsinnig. Erst einer nach dem Anderen und dann auch im Gespräch miteinander entwickelt Ihre Hall of Fame Ideen mit Ihnen. Stellen Sie Fragen. Diskutieren Sie Vorschläge und nehmen Sie soviel mit, wie Sie können.

Häufig, wenn ich diese Übung in Seminaren mache, sind Teilnehmer von den Vorschlägen und Antworten überrascht, die sie von ihrer Hall of Fame bekommen. Fast immer sind Vorschläge dabei, auf die Teilnehmer alleine nicht gekommen wären. Und genau darin liegt der große Wert der Übung und der unglaublichen Fähigkeit unseres Gehirns. Während der gesamten Übung gibt es keinen äußeren Input, aber alleine der Perspektivwechsel sorgt für neue Informationen. Manchmal müssen wir also die Menschen in unserer Umgebung gar nicht um Rat fragen. Unser Gehirn erlaubt uns Vorschläge und Ideen in deren Mund zu legen ohne, dass sie dafür irgendetwas tun müssten.

Wann immer Sie stecken bleiben im Ideenfinden oder bei der Problemlösung nicht weiterkommen, befragen Sie Ihre Hall of Fame. Die sind nicht selten für einige Überraschungen gut.