Super-Innovator Mensch

Alles wird schneller, alles wird globaler. Die Probleme werden größer, die Herausforderungen komplizierter. Der einzige Weg dieser zunehmend komplexen Welt zu begegnen ist durch Innovation. Wirklich? Durch Innovation? In vielen Organisationen wird der Ruf nach innovativen Lösungen für Herausforderungen immer lauter. Nicht nur Technologieunternehmen stellen sich dem Innovationsdruck, auch viele andere Branchen machen mit. Aber warum?

Neben der Menschheit müssen auch alle anderen Lebensformen auf unserem Planeten mit Veränderung zurechtkommen. Ganz besonders mit den Veränderungen, die wir Menschen durch unsere Innovationen hervorrufen. Das machen doch auch alle wirklich ganz gut. Ganz besonders gut aber macht das der Mensch. Kein anderes Lebewesen muss schneller und effektiver auf Veränderungen reagieren als wir. Bei keiner anderen Lebensform schreitet die Evolution von Ideen mit derart tiefgreifenden Veränderungen in atemberaubend kurzer Zeit voran, dass zwischen zwei Generationen Welten liegen können. Zumindest scheint das so. Bei genauerem Hinsehen wird deutlich, dass zwischen zwei Generationen immer Welten liegen. Auch bei allen anderen Lebensformen. Nur kennen wir unsere eigenen Welten eben am besten. Wenn wir Hundewelpen mit ihren Vorfahren vergleichen, müssen wir recht weit zurückblicken um eine Veränderung zu erkennen. Die Hundewelpen würden, wenn sie sprechen könnten, wahrscheinlich sagen, dass ihre Elterngeneration schon vollkommen anders ist als sie selbst. Denn das würden wir über unsere Eltern auch sagen, obwohl das natürlich nicht stimmt. Vergleichen wir unsere Urgroßeltern mit unseren Ururgroßeltern, dann wirken die noch wesentlich ähnlicher als wir selbst und unsere Eltern im Vergleich. Aber auch unsere Urenkel werden sagen, dass unsere Eltern und wir viel ähnlicher sind als sie selbst und ihre Eltern.

Wenn wir die Evolution von Ideen ansehen, zeigen sich deutliche Parallelen. Zu jedem Zeitpunkt unserer Geschichte haben Menschen das Gefühl gehabt, dass es nie zuvor so große Veränderungen gab wie in den letzten 10 Jahren. In den Jahren nach 1436 mit Gutenberg’s Buchdruck, Elektrizität um 1600, der Dampfmaschine 1712, der Glühbirne um 1800, dem Telefon, Halbleitern, Penizillin, dem Radio, dem Flugzeug, DNA, dem Internet oder dem Smartphone. Immer gab es gravierende Veränderungen und immer waren Menschen innovativ. Durch die evolutionäre Brille betrachtet sind wir nicht nur innovativ, wir sind unfassbar adaptiv. Unsere Fähigkeit zur Anpassung ist enorm und ebenso unsere Fähigkeit Ungedachtes zu denken. Zumindest so im Großen und Ganzen machen wir das also wirklich ganz gut. Das Große und Ganze hat nämlich ein Interesse an Innovation und Anpassung. Wie aber sieht es mit jedem Einzelnen aus? Hat das Individuum überhaupt Interesse an Innovation?

Die Antwort ist einfach: nicht besonders. Sicher, Neugierde tragen wir alle in uns. Wir lernen auch gerne und viel. Wir probieren neue Dinge und sammeln Erfahrungen. Aber ein Motiv, das uns dazu bringt Neues zu entwickeln, haben wir nicht. Wir sind nicht von Natur aus innovativ, sondern vielmehr, weil wir müssen. Beim genauen Betrachten entpuppt sich der Super-Innovator Mensch als ziemlich Status Quo verliebt und packt Veränderungen nur äußerst ungern an. Manchmal sogar nur unter Protest und mit viel Widerstand. Davon können Unternehmen ein Lied singen, die versucht haben größere Veränderungen durchzusetzen. Wir sind also innovativ, weil wir müssen. Hauptsache wir überleben.