„Feiern Sie den Fehler des Monats“ – Handelsblatt

Babykäfige an der Hauswand? Gar keine gute Idee. Digitalkameras schon 1975? Leider zu früh. Ein Gespräch mit dem Innovations-Experten Christoph Burkhardt über die Frage, warum manche Ideen überleben und andere nicht.

Als Kognitionspsychologe untersucht Christoph Burkhardt die Psychologie von Innovation und berät neben Spitzenuniversitäten und internationalen Organisationen auch Großkonzerne wie Google dabei, ihr kreatives Potential voll auszuschöpfen. Wie das am besten funktioniert, verrät uns der 29-jährige Innovationsexperte im Interview.

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Nikolai Begg revolutioniert die Medizintechnik

Manche Innovationen kommen von Tüftlern, die ein Problem erkennen und dann wie besessen nach einer Lösung suchen. Der Ingenieur Nikolai Begg macht das im Bereich der Medizintechnik und zeigt, dass es noch jede Menge zu entwickeln gibt.

 

Apple iPhone bald in 3D – Idee der Woche

Apple hat vor Kurzem ein Patent angemeldet für ein interaktives 3D Display, mit dem wir nicht nur dreidimensionale Objekte auf unseren Screens darstellen könnten, sondern diese auch im Raum bewegen. Was heute noch seltsam wirkt, wird in Zukunft normal. Buttons werden verschwinden und Menüstrukturen bekommen wesentlich mehr Raum. So werden wir womöglich endlich mit Objekten direkt umgehen. Naja, zumindest mit sehr kleinen Objekten. Ob es überhaupt dazu kommt, ist allerdings fraglich. Schließlich melden die großen Innovatoren unserer Zeit regelmäßig Patente an, aus denen dann nichts wird. Wir freuen uns trotzdem darauf.

Innovation ist anstrengend

 

Seit Menschen diesen Planeten bevölkern entwickeln Sie Neues. Fortschritt gehört als Eigenschaft zum Menschsein wie die Fähigkeit zu sprechen. Menschen entwickeln Ideen und mit ihnen sich selbst. Wir erfinden Neues, hinterfragen den Status quo und sind ununterbrochen auf der Suche nach Ideen, die die Welt und uns selbst verändern. Aber warum?

Warum geben sich Menschen nicht wie andere Tiere zufrieden mit dem, was in unserer biologischen Evolution für Anpassung an die jeweils geltenden Bedingungen geschieht? Warum brauchen wir diese andere, diese so menschliche, Evolution von Ideen?

 

Warum Innovation uns so viel Energie kostet und wir trotzdem nicht darauf verzichten können. Christoph Burkhardt über die Psychologie von Innovation und die Evolution von Ideen. Kostenlos lesen und herunterladen!

Super-Innovator Mensch

Alles wird schneller, alles wird globaler. Die Probleme werden größer, die Herausforderungen komplizierter. Der einzige Weg dieser zunehmend komplexen Welt zu begegnen ist durch Innovation. Wirklich? Durch Innovation? In vielen Organisationen wird der Ruf nach innovativen Lösungen für Herausforderungen immer lauter. Nicht nur Technologieunternehmen stellen sich dem Innovationsdruck, auch viele andere Branchen machen mit. Aber warum?

Neben der Menschheit müssen auch alle anderen Lebensformen auf unserem Planeten mit Veränderung zurechtkommen. Ganz besonders mit den Veränderungen, die wir Menschen durch unsere Innovationen hervorrufen. Das machen doch auch alle wirklich ganz gut. Ganz besonders gut aber macht das der Mensch. Kein anderes Lebewesen muss schneller und effektiver auf Veränderungen reagieren als wir. Bei keiner anderen Lebensform schreitet die Evolution von Ideen mit derart tiefgreifenden Veränderungen in atemberaubend kurzer Zeit voran, dass zwischen zwei Generationen Welten liegen können. Zumindest scheint das so. Bei genauerem Hinsehen wird deutlich, dass zwischen zwei Generationen immer Welten liegen. Auch bei allen anderen Lebensformen. Nur kennen wir unsere eigenen Welten eben am besten. Wenn wir Hundewelpen mit ihren Vorfahren vergleichen, müssen wir recht weit zurückblicken um eine Veränderung zu erkennen. Die Hundewelpen würden, wenn sie sprechen könnten, wahrscheinlich sagen, dass ihre Elterngeneration schon vollkommen anders ist als sie selbst. Denn das würden wir über unsere Eltern auch sagen, obwohl das natürlich nicht stimmt. Vergleichen wir unsere Urgroßeltern mit unseren Ururgroßeltern, dann wirken die noch wesentlich ähnlicher als wir selbst und unsere Eltern im Vergleich. Aber auch unsere Urenkel werden sagen, dass unsere Eltern und wir viel ähnlicher sind als sie selbst und ihre Eltern.

Wenn wir die Evolution von Ideen ansehen, zeigen sich deutliche Parallelen. Zu jedem Zeitpunkt unserer Geschichte haben Menschen das Gefühl gehabt, dass es nie zuvor so große Veränderungen gab wie in den letzten 10 Jahren. In den Jahren nach 1436 mit Gutenberg’s Buchdruck, Elektrizität um 1600, der Dampfmaschine 1712, der Glühbirne um 1800, dem Telefon, Halbleitern, Penizillin, dem Radio, dem Flugzeug, DNA, dem Internet oder dem Smartphone. Immer gab es gravierende Veränderungen und immer waren Menschen innovativ. Durch die evolutionäre Brille betrachtet sind wir nicht nur innovativ, wir sind unfassbar adaptiv. Unsere Fähigkeit zur Anpassung ist enorm und ebenso unsere Fähigkeit Ungedachtes zu denken. Zumindest so im Großen und Ganzen machen wir das also wirklich ganz gut. Das Große und Ganze hat nämlich ein Interesse an Innovation und Anpassung. Wie aber sieht es mit jedem Einzelnen aus? Hat das Individuum überhaupt Interesse an Innovation?

Die Antwort ist einfach: nicht besonders. Sicher, Neugierde tragen wir alle in uns. Wir lernen auch gerne und viel. Wir probieren neue Dinge und sammeln Erfahrungen. Aber ein Motiv, das uns dazu bringt Neues zu entwickeln, haben wir nicht. Wir sind nicht von Natur aus innovativ, sondern vielmehr, weil wir müssen. Beim genauen Betrachten entpuppt sich der Super-Innovator Mensch als ziemlich Status Quo verliebt und packt Veränderungen nur äußerst ungern an. Manchmal sogar nur unter Protest und mit viel Widerstand. Davon können Unternehmen ein Lied singen, die versucht haben größere Veränderungen durchzusetzen. Wir sind also innovativ, weil wir müssen. Hauptsache wir überleben.



Die Evolution von Ideen

“Die Evolution von Ideen – warum gute Ideen nicht automatisch überleben” – Impulsvortrag beim Business Forum der German Speakers Association in Frankfurt – ausgezeichnet mit dem Newcomer Award 2014

Damit aus Ideen Innovationen werden, braucht es Mut, die richtigen Allianzen und gutes Timing. Im falschen Klima bleiben viele Ideen auf der Strecke, leider auch viele gute. Zwar hat sich unser Gehirn entwickelt, um unser Überleben zu sichern – insbesondere unser soziales Überleben, aber wir haben auch gelernt, dass unser Erfolg von der Unterstützung durch andere abhängt und wir dabei kein Risiko eingehen sollten. Neues zu denken und auszuprobieren bedeutet einen unsicheren Weg zu gehen und Fehler zu riskieren. Dieses Risiko gehen wir nicht gerne ein, sollten wir aber manchmal.