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Wer nicht schreibt, denkt zu viel

Gedanken aufzuschreiben hat eine Reihe von Vorteilen. Allen voran, wir können sofort vergessen, was erstmal da steht. In unserer Evolution haben wir gelernt, Informationen außerhalb unseres Gehirns abzulegen und im richtigen Moment wieder auf sie zuzugreifen.

Mit etwa 70.000 Gedanken pro Tag verarbeitet unser Gehirn eine unfassbare Menge an Informationen. Kein Wunder also, dass wir angefangen haben einige Informationen abzugeben an Hilfsmittel wie Einkaufslisten, ToDo-Listen, Exceldateien, Notizbücher oder Evernote.

Wer nicht schreibt, verliert zu viele Ideen.

Beim Training von kreativem Denken und Problemlösen geht es ebenso um das Aufgeben und Abgeben von Gedanken. Mit meinen Klienten arbeite ich an restriktiven Annahmen, also dem Glauben, dass Dinge immer so sein müssen wie sie sind; wir verlassen unsere Komfortzone und spielen mit kognitivem Risiko und wir generieren viel mehr Ideen als wir brauchen werden. Im Kern geht es immer genau darum: Quantität schlägt Qualität, wenn es um kreatives Denken geht. Deswegen müssen wir Gedanken aufschreiben. Tun wir das nicht, verstricken wir uns in Gedanken, die wir immer wieder durchdenken, wir bleiben zu lange an einer Lösung hängen und brechen den Prozess zu früh ab.

Wer nicht schreibt, denkt zu viel.

Auch wenn wir es schaffen, viel zu produzieren, eine Flut von Ideen zu generieren und die assoziativen Verbindungen in unseren neuronalen Strukturen richtig feuern zu lassen, besteht die Gefahr zu viel zu denken. Wir stoßen auf eine anderen Gegner innovativer Gedanken: unseren inneren Kritiker. Die Stimme, die unablässig abwertet, was wir denken. Die Instanz, die kreatives Denken so anstrengend und mühsam macht. Den Kritiker haben wir lange trainiert, er ist gut, um sich gegen Manipulation durch andere zu wehren. Er ist das Nebenprodukt der Aufklärung, er ermöglicht uns ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Aber leider ist er nicht gut für unsere Kreativität.

Den inneren Kritiker können wir zum Schweigen bringen. Durch das Aufschreiben von allem, was uns einfällt. Ungefiltert, ohne Bewertung. Klar, das meiste wird unbrauchbar sein oder totaler Blödsinn. Aber manches wird sich als sehr wertvoll herausstellen. Und wir brauchen alles, um die eine beste Lösung für unser Problem, die eine Antwort auf unsere Frage und die eine gute Idee zu finden. In anderen, mehr wissenschaftlichen Worten: die Wahrscheinlichkeit für gute Ideen steigt mit der Anzahl möglicher Ideen auf dem Papier.

Wer immer schreibt, gewinnt.

Wo auch immer Sie sind, in der U-Bahn, im Büro, im Cafe, im Wartezimmer Ihres Zahnarztes oder im Bett kurz vor dem Einschlafen: haben Sie etwas zum Schreiben griffbereit. Das kann Zettel und Stift sein, aber auch die Notizfunktion Ihres Smartphones. Machen Sie sich keine Gedanken über die Form Ihrer Notizen, die spielt kaum eine Rolle. Wichtig ist, dass Sie schnell loslegen können, ohne erst irgendwas sortieren zu müssen. Wenn Sie mit Evernote arbeiten wollen wie ich, dann legen Sie Überschriften, Tags, Keywords etc. erst nach dem kreativen Sammeln an. Alles andere blockiert den Flow, in den Sie kommen möchten.